Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit

Tagebuch des Capitains Theodor von Papet über den Feldzug in den Niederlanden 1814/15

Einleitung von Ditmar Haeusler

Theodor Philipp Wilhelm von Papet, geboren am 19. Sept. 1791 in Maastricht, entstammt einer Familie von Beamten und Militärs (sein Vater und dessen Bruder waren braunschweigische Offiziere mit Einsätzen in Nordamerika und in den Niederlanden; sein Grossvater war sachsen-weimarischer Hofrat und Obergeleitmann in Erfurt). Auch Theodor von Papet begann seine militärische Laufbahn 1803 als Kadett in braunschweigischen Diensten. Nachdem das Herzogtum Braunschweig 1806 dem Königreich Westfalen zugeschlagen worden war, wurde er 1810 in die westfälische Armee übernommen, mit der er - 20-jährig zum Capitain des 3. Linien-Infanterieregiments ernannt - am Rußlandfeldzug Napoleons teilnahm. Nach dem Zusammenbruch des Königreichs Westfalen wurde er im Oktober 1813 innerhalb der neuaufgestellten englisch-hannoverschen Verbände zum Capitain des 3. Linien-Infanterieregiment ernannt (das ab September 1814 den Namen des Prinzregenten "Herzog von York" führte).

Im März 1814 wurde er (gegen anfänglichen Widerstand, denn die Landwehr galt als weniger "vornehm" und karrierefördernd) Hauptmann und Kompanieführer der 3. Kompanie im neuerrichteten Landwehrbataillon Osterode. Kommandeur dieses Bataillons war anfänglich Major von Wurmb, der aber schon nach zwei Monaten das Feldbataillon Grubenhagen übernahm (und 1815 bei Quatre Bras fiel). Nach ihm erhielt Major Klaus von Reden das Kommando. Mit dieser Einheit wurde Theodor von Papet in den Niederlanden eingesetzt. (Die Geschichte des Landwehrbataillons Osterode ist dargestellt bei J. G. Renner: Historisch-topographisch-statistische Nachrichten und Notizen von der Stadt Osterode am Harze, Osterode 1873, Reprint Osterode 1977, S.143 ff).

Theodor von Papet war ein leidenschaftlicher Chronist (wie schon sein Vater, dessen Tagebuch in den USA unter dem Titel "Canada during the American Revolutionary War" von Bruce E. Burgoyne herausgegeben wurde: Heritage Books 1998). Nach Tagebüchern über den Russlandfeldzug 1812 und den Norddeutschen Krieg 1813/14 hat Theodor v. Papet auch über seinen Einsatz in den Niederlanden berichtet und zwar nicht nur über den militärischen Alltag, sonders besonders ausführlich auch über Land und Leute und die kultuellen Schätze des Gastlandes.

Beschreibung des Tagebuchs

Das niederländische Tagebuch besteht aus zwei in Pappdeckel eingebundenen blaufarbigen Notizbüchern im Format 17,5 x 11 x 2 cm (Band 1) bzw. 3 cm (Band 2) mit Durchsteckschlaufen für einen Schreibstift. Deckelstärke Band 1: 2 mm, Band 2: 3 mm. Der erste Band (September 1814-März 1815) ist mit 123 Seiten vollständig ausgefüllt. Band 2 (März 1814-Juni 1815) ist mit 57 Seiten nur zu 1/5 beschrieben.

Zum Inhalt

Der Bericht über den Feldzug in den Niederlanden beginnt Anfang September 1814 am Übergang von Rhein und Waal und endet am 15. Juni 1815 in Brüssel. In dieser Zeit legte das Regiment Fussmärsche u. a. zu folgenden Orten zurück: Nimwegen, s´Hertogenbosch, Tilburg, Tournhout, Herentals, Mecheln, Gent, Eeklo, Brügge, Ostende, Roeselare, Ypern, Aalst und Brüssel. Am 15. Juni 1815 erreicht von Papet der Befehl, mit seiner Brigade dem Feinde entgegenzumarschieren. Erstaunlich erscheint rückblickend die Unbefangenheit, mit der wenige Tage vor der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) berichtet wird. In dieser Schlacht wurde von Papet schwer verwundet; an den Spätfolgen starb er - erst 26 Jahre alt - am 26. Januar 1818 in Göttingen, weil er, wie es in der genannten Bataillonsgeschichte heisst, sich zur Amputierung des Beines nicht entschliessen konnte (Renner, Nachrichten, S 159). Er war der letzte von Papet im Mannesstamm. (Über seine Schwester Auguste Friederike, die den Capitain Friedrich Häusler aus der "Schwarzen Schar" des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig heiratete, kamen die Tagebücher an diese Familie.)

In dem nachfolgend wiedergegebenen Transkript sind die im Original lateinisch abgesetzten Wörter (meist Eigennamen und Fremdwörter) durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Die Orthografie wurde im wesentlichen beibehalten. Zum besseren Verständnis hat der Bearbeiter einige Anmerkungen eingefügt.

Im Hinblick auf die im Tagebuch erwähnten Truppenteile sei kurz auf die Neuformation der hannoverschen Verbände vor dem Einsatz in den Niederlanden hingewiesen: Die im Jahre 1814 aufgestellten 40 Bataillone wurden derart in 10 Regimenter eingeteilt, dass je ein Feldbataillon und 3 Landwehrbataillone ein Regiment bildeten. Danach ergab sich folgende Zusammensetzung der Regimenter:

Regiment Feldbataillon Landwehrbataillon
Bremen Bremen Otterndorf, Stade, Bremervörde
Verden Verden Verden, Bremerlehe, Harburg
Hoya Hoya Hoya, Nienburg, Diepholz
Osnabrück Osnabück Osnabrück, Quakenbrück, Melle
Lüneburg Lüneburg Lüneburg, Celle, Gifhorn
Lauenburg Lauenburg Ratzeburg, Bentheim, Lüchow
Calenberg Calenberg Hannover, Hameln, Neustadt
Hildesheim Hildesheim(unfertig) Hildesheim, Ülzen, Peine
Grubenhagen Grubenhagen Alfeld, Salzgitter, Springe
Göttingen Feldjäger Osterode, Münden Northeim

Im Krieg in den Niederlanden war das englisch-hannoversche Heer aus zwei Armeekorps und einem Reservekorps zu je zwei Divisionen, einem Kavalleriekorps und einem Hannoverschen Reservekorps zusammengesetzt. Die Divisionen waren - z.T. durchmischt - in britische, hannoversche und Legionsbrigaden untergliedert und durchnumeriert. Innerhalb des Reservekorps (6. Division) gehörte das Landwehrbataillon Osterode (neben Lüneburg, Verden und Münden) zur 4. Hannoverschen Brigade unter Oberst Best (vgl. im einzelnen A. und R. von Sichart, Königlich-Hannoversche Armee, Hannover und Leipzig, 1898. 5. Band, S. 86 ff).

Empfohlene Zitierweise:
Ditmar Haeusler: Einleitung - Tagebuch des Capitains Theodor von Papet über den Feldzug in den Niederlanden 1814/15, url: http://www.amg-fnz.de/index.php?site=papet2_einleitung