Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit

Workshop zu Prenzlau (26.-27.10.2001)

Vom AMG werden als Ergänzung zu den Fachtagungen und Kolloquien auch Workshops angeboten. Einer dieser Workshops fand im Oktober 2001 in Prenzlau statt und befaßte sich mit:

Mars an Havel und Spree. Neue Ansätze zur Militärgeschichte in Brandenburg und Berlin

Konzeption

Die Militärgeschichte hat in den letzten Jahren ihren Standpunkt innerhalb der Geschichtswissenschaft gefestigt. Dabei stehen in der "neuen Militärgeschichte" vorrangig sozialgeschichtliche Fragen im Mittelpunkt. Zu fragen ist nicht mehr nach dem Verlauf von Kriegen und den Gründen eines militärischen Erfolgs, sondern nach dem Funktionieren von Militär überhaupt. Dabei ist der methodische Zugang heute weitgefächert, reicht von strukturanalytischen Fragestellungen, über kulturalistische Zugänge bis hin zum methodischen Rüstzeug der Geschlechterforschung.

Die Tagung will versuchen, einen Überblick über die aktuelle Forschungslage zur Militärgeschichte in Brandenburg zu geben. Zum einen scheint Brandenburg ein besonders interessantes "Fallbeispiel" zu sein, galt es doch als die ehemalige preußische Kernprovinz mit seinen Residenzen Berlin und Potsdam als Zentrum der Militarisierung dieses Landes. Die Beschäftigung mit diesem Kapitel der Landesgeschichte ist gerade im "Preußenjahr" unerlässlich. Die Tagung kann daher als sinnvolle Ergänzung der gemeinsamen Landesausstellung von Berlin und Brandenburg "Preußen 2001" gelten. Die brandenburgische Landesgeschichtsschreibung ist seit einigen Jahren intensiv darum bemüht, Lücken der Geschichtsschreibung zu schließen. Die Militärgeschichte ist ein solches Desiderat, das durch diese Tagung geschlossen werden kann. Dabei stehen nicht allein historische Fragen im Mittelpunkt. Die Beschäftigung mit militärischen Strukturen gilt gerade in der Gegenwart als eine äußerst brisante Diskussion, denkt man nur an die Fragen des NATO-Kriegseinsatzes oder die Verkleinerung der Bundeswehr. Historische Betrachtungen können helfen, gegenwärtige Diskussionen zu verstehen und vor dem Spiegel der Vergangenheit bestimmte Entwicklungskontinuitäten nachzuvollziehen.

Der Tagungsort Prenzlau wurde gewählt, da sich durch die Ausstellung "Zwischen Krieg und Frieden" die Diskussionen um die brandenburgische Militärgeschichte hier fokussieren. Die Tagung versteht sich als sinnvolle Ergänzung zur Ausstellung.

Die Veranstaltung wird gemeinsam vom Lehrstuhl für Militärgeschichte an der Universität Potsdam, dem Uckermärkischen Geschichtsverein zu Prenzlau e.V. und dem Kulturzentrum Dominikanerkloster in Prenzlau durchgeführt. Der Arbeitskreis "Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit" unterstützt die Veranstaltung.

Referenten Themen
Bernhard R. Kroener Militärgeschichte. Entwicklungen und Perspektiven
Dr. Lutz Partenheimer Die Kriege Albrechts des Bären und die Entstehung der Mark Brandenburg im 12. Jahrhundert
Dr. Clemens Bergstedt Raumsicherung durch kirchliche Siedlung. Dargestellt am Beispiel der Johanniter-Komturei Gardow und des Zisterzienserklosters Himmelpfort
Ralf Gebuhr M.A. Der Dreißigjährige Krieg in der Uckermark
Gundula Gahlen M.A. "Die Pest hatte sie schon sehr verelendet, aber die Feinde noch viel mehr"? Die Bevölkerung Perlebergs im Dreißigjährigen Krieg
Michael Herrmann M.A. Soldaten, Pest und Bevölkerungsverluste. Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges für die Prignitz und Beeskow-Storkow
Jürgen Theil Der Dreißigjährige Krieg in der Uckermark
Dorit Schneider M.A. Kleine märkische Garnisonsstädte im 18. Jahrhundert. Das Beispiel Nauen
Jörg Muth Desertion in der Armee Friedrichs des Großen. Methodische Aspekte einer Neubewertung
Beate Engelen M.A. "Die Vernunft der sozialen Verantwortung". Der Umgang des preußischen Staates mit den Angehörigen seines Militärs